Das Tagesgeldkonto aus dem Supermarkt
veröffentlicht: 10.07.2008
Dass Versicherungen und Finanzdienstleister stets nach neuen Vertriebsmöglichkeiten Ausschau halten, ist verständlich. Ob Supermarkt oder Discounter jedoch die richtige Wahl sind, ist eher fraglich. Gerade bei privaten Rentenpolicen oder Berufsunfähigkeitsversicherungen warnen Verbraucherschützer und der Bund der Versicherten. Diese Produkte bedürfen einer ausführlichen Beratung. Bei einem Tagesgeldkonto, das zwischen Käse und Salami im Regal liegt, gibt es kaum Einwände. Im Vorbeigehen sollte man sich allerdings nicht für Tagesgeld entscheiden. Dafür gibt es zu viele Angebote und sollte man schon darauf achten, dass die Konditionen auch dauerhaft stimmen.
Den Anfang machte sowohl beim Tagesgeldkonto als auch den Versicherungen Tchibo. Schon 2002 hatte der Kaffeeröster eine Riester-Rente der Axa in den Läden. Anfang dieses Jahres lockte man mit einem hochverzinsten Tagesgeldkonto. Andere Unternehmen folgten dem Beispiel, etwa Penny und Lidl. Nicht alle Aktionen sind von Erfolg gekrönt. Die Rechtsschutzversicherung lief bei Penny gut, die Kinderunfallversicherung floppte. Kein Wunder, inzwischen wissen viele Kunden, dass sie in Ruhe lesen sollten, was sie da in den Einkaufswagen packen. Supermarktkunden sollten wenn überhaupt nur zu Finanzprodukten wie einem Tagesgeldkonto greifen, weil es einfach und leicht verständlich ist, rät die Verbraucherzentrale Bremen.
In einem solchen Fall zeigt die Kooperation von Bank und Handel durchaus Erfolg. Das Tagesgeldkonto der Volkswagen-Bank direkt, das bei Lidl angeboten wurde, war laut Pressesprecher der Bank, Dietmar Kupisch, „sehr, sehr erfolgreich“. In dem Quartal, in dem das Tagesgeld im Supermarkt erhältlich war, verbuchte die Volkswagen-Bank direkt ein Plus von 900 Millionen Euro. Man könne sich durchaus vorstellen, weitere Aktionen dieser Art in Angriff zu nehmen. So ganz überzeugt sind die Kunden von derlei Partnerschaften noch nicht. Das belegt eine Umfrage des Marktforschungsinstitutes Dialego. 53 Prozent haben von den Aktionen gehört, genutzt haben sie nur sechs Prozent. Noch mangele es am Vertrauen der Konsumenten, Tagesgeldkonto oder Versicherung in der Einkaufstüte nach Hause zu tragen.
A. Maßmann
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