EZB senkt Leitzins auf 3,75 Prozent
veröffentlicht: 9.10.2008
Die Europäische Zentralbank (EZB) sträubte sich lange dagegen, den » Leitzins zu senken. Erst am Mittwoch (8. Oktober 2008), nachdem der Schlingerkurs an den Börsen immer dramatischere Züge angenommen hatte, entschied man sich, gemeinsam mit anderen führenden Notenbanken zu einer parallelen Zinssenkung. Ziel war es, die Aktienmärkte zu stützen und erneute Kursrutsche zu verhindern. Lange hielt die Maßnahme nicht vor. Der Dax hatte zu Toresschluss 5,9 Prozentpunkte verloren, der CAC-40 in Paris 6,4 Prozent und der FTSE-100 in London rund fünf Prozent. Auch an den übrigen Börsen blieb ein mehr oder weniger deutliches Minus.
Dass sich gleich mehrere Notenbanken gemeinsam für eine Senkung der Leitzinsen entschieden, liegt über sieben Jahre zurück. Damals waren die Terroranschläge vom 11. September der Anlass. Aktuell hat die EZB den Leitzins um 0,5 auf 3,75 Prozent heruntergesetzt, die US-Notenbank Fed von 2,0 auf 1,5 Prozent. Ähnlich agierten auch die Zentralbanken in Kanada, der Schweiz, Schweden und Großbritannien. Als „Zeichen für die wirtschaftliche Kräftigung“ wertete Bundeskanzlerin Angela Merkel den Schritt, der für Schubkraft in der Wirtschaft sorgen soll. Dank niedriger Zinsen haben Unternehmen die Möglichkeit, günstig Kapital aufzunehmen und zu investieren.
Bislang war eine Leitzinssenkung ausgeschlossen worden, weil eine Inflation befürchtet wurde. EZB-Präsident Jean-Claud Trichet rät den Marktteilnehmern: „Nehmt wieder Vernunft an. Es gibt Vertrauenselemente.“ Er definiert die Strategie ganz klar: „Wir arbeiten nicht daran, die Augenblicksentscheidungen zu beeinflussen, sondern wir wollen das verlorene Vertrauen wieder herstellen.“
A. Maßmann
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